Das sowjetische Universal-Maschinengewehr PKM

6P6M PKM auf 6T2 Samozhenkov-Lafette

GRAU-Index 6P6 PK / 6P6M PKM

Obwohl nicht so weit verbreitet wie die Sturmgewehr-Konstruktion des Michails Kalaschnikow ist diese weitere Kalaschnikow-Konstruktion ein bemerkenswertes Design. Nicht zuletzt, weil das PK/PKM eine komplexe Randpatrone verschiesst, sondern vor allem durch die bewiesene Zuverlässigkeit und Einfachheit in den Krisengebieten dieser Welt. In absehbarer Zukunft wird das PKM nicht aus bewaffneten Konflikten wegzudenken sein.

Entwicklungsgeschichte

Inspiriert durch die Rolle des Universal-Maschinengewehrs MG 34 und MG 42 bei der deutschen Wehrmacht, starteten während des Zweiten Weltkrieges sowjetische Konstrukteure mit der Entwicklung eines eigenen Universal-Maschinengewehrs. Das Universal-Maschinengewehr sollte von einem Mann getragen werden können, gurtgefüttert sein und einen auswechselbaren Lauf haben. Viele Versuche die alternden Maxim-Maschinengewehre zu ersetzen waren nicht zielführend. Kurz bevor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde eine Konstruktion von Wassili Degtjarjow – das mittlere Maschinengewehr DS-39 – an die Rote Armee ausgegeben. Schnell stand fest, dass die Konstruktion des DS-39 die Hülsen während des Ausziehens aus dem Gurt beschädigte. Der Finnisch-Russische Winterkrieg 1939-1940 bestätigte diese Fehlfunktionen im Feld und das DS-39 wurde wieder zurückgezogen. (Volk, 2017)

Die nächste Entwicklung war das SG-43 der Gebrüder Gorjunow, später gefolgt von einer modernisierten Variante SGM. Das SG-43 war bei weitem zuverlässiger als das DS-39 und trotzdem leichter als die alten Maxim-Maschinengewehre. Die SG-43 wurden auf einer fahrbaren Protze oder einem Dreibein lafettiert und leisteten ihren Dienst als mittleres Maschinengewehr ab 1943. Zusätzlich dazu wurde eine weitere Konstruktion Degtjarjows, das DP-28, in der Rolle des leichten Maschinengewehrs verwendet. Das DP-28 ist an seinem auffälligen liegenden Tellermagazin leicht zu erkennen. Noch während des Zweiten Weltkriegs wurde das DP-28 von Degtjarjow weiterentwickelt und mit Gurtzuführung versehen. Diese Konstruktion wurde dann als RP-46 in der Rolle des „Kompanie-Maschinengewehrs“ eingeführt. Das RP-46 war leichter und besser manövrierbar als seine Vorgänger der Gebrüder Gorjunow, aber für andere Rollen als die des leichten Maschinengewehrs nicht vorgesehen.

Für die Rolle des Unversal Maschinengewehrs wurde weiter das RPD konstruiert, dass die Kurzpatrone M43 im Kaliber 7.62x39mm verschoss. Diese Patrone war bereits standardisiert und für die AK-Sturmgewehre und SKS-Selbstladebüchse eingeführt. Eine einzige Patrone für alle Handfeuerwaffen wäre eine logistisch ideale Lösung gewesen, doch die Leistung der damals neuen Patrone M43 war für die Rolle des Universal-Maschinengewehrs zu schwach. So wurde eine weitere Entwicklung für ein Universal-Maschinengewehr im „alten“ Kaliber 7.62x54R in Auftrag gegeben.

In den frühen 50er Jahren arbeiteten dann zwei Teams an diesem Thema. Zum einen entwickelten die beiden Konstrukteure Nikitin und Sokolow ein gurtgefüttertes Maschinengewehr in 7.62x54R, sowie auch das Team um Michail Kalaschnikow eine eigene Konstruktion entwickelte. Beide Konstruktionen basierten auf dem Prinzip des Gasdruckladers mit Drehwarzenverschluss. Die nachfolgenden Testungen in den 60er Jahren zeigten, dass Kalaschnikows Konstruktion, das PK (Pulemyot Kalaschnikowa) die zuverlässigere der beiden Konstruktionen war und über das Design Nikitin-Sokolow obsiegte.

Das PK wurde im Oktober 1961 in der roten Armee als Universal-Maschinengewehr eingeführt und 1969 bereits modernisiert. Die verbesserte Version wird als PKM (Pulemyot Kalashnikova Modernizirovanniy) bezeichnet. Das PKM kann vom PK leicht unterschieden werden. Der Lauf verfügt über keine Kannelierung und verfügt über eine aufklappbare Schulterauflage, sowie Verstärkungssicken in den Blechteilen des VErschlussgehäuses. Die Konstruktion ist ein „echtes“ Universal-Maschinengewehr und wurde in vier Versionen eingeführt:

  • PK/PKM mit Zweibein in der Basisversion für die Rolle als leichtes Maschinengewehr.
  • PKS/PKMS (PKS – Pulemyot Kalashnikova Stankoviy) ist ein lafettiertes PK/PKM. Jedes PK/PKM kann ohne Änderungen lafettiert und als schweres Maschinengewehr eingesetzt werden.
  • Das PKT/PKMT (PKT – Pulemyot Kalashnikova Tankoviy) ist ein PK/PKM mit elektrischem Abzug, hat keinen Schulterkolben und keinen Pistolengriff. Das PKT wird als rohrparalleles Maschinengewehr auf aktuellen russischen Kampfpanzern eingesetzt.
  • Das PKB/PKMB (PKB – Pulemyot Kalashnikova na Bronetransportere) hat ähnlich dem PKT/PKMT keinen Schulterkolben und keinen Pistolengriff. Diese Version wurde mit Schmetterlingsabzug und Schaufelgriffen auf Fahrzeugen und Truppentransportern lafettiert eingebaut.

In der Zeit des Kalten Krieges wurden die PK-Modelle in den Warschauer Pakt- und Sowjet-Blockstaaten weitverbreitet eingesetzt. Herstellländer sind oder waren die frühere Sowjetunion, das heutige Russland, Bulgarien, Ungarn, Rumänien, das damalige Jugoslawien und die Volksrepublik China, sowie in der ehemaligen DDR und Polen. (Iannamico, 2012)

6P6M PKM mit Lafette 6T5 Stepanov und Gurtkisten

Konstruktionsdetails

Wie fast alle „echten“ Maschinengewehre feuert das PKM aus offenem Verschluss, ist also zuschiessend. Abgesehen davon funktioniert das PK ähnlich der bekannten Kalaschnikow-Konstruktion. Der Verschluss des PK hat einige Ähnlichkeit mit dem der AK-47, ist allerdings überkopf verbaut. Das PK hat einen Drehverschluss mit zwei Verriegelungswarzen am Verschlusskopf, ähnlich dem Verschlusskopf des AK-47. Der Verschlusskopf des PK ist massiv grösser als der der AK-47, was auf die Grösse der Patrone 7.62x54R zurückzuführen ist. Der Verschlusskopf hat ähnlich der AK-47 nur eine Auszieherklaue. Weil das PK aus offenem Verschluss feuert, ist der Zündstift auf dem Verschlussträger beweglich gehalten. Der Zündstift kann zusammen mit dem Verschlusskopf ausgebaut werden. Während der Rotationsbewegung des Verschlusskopfes ist der Zündstift auf dem Verschlussträger verriegelt. Wenn der Verschlusskopf nun die Rotationsbewegung zur Verriegelung über die Verriegelungswarzen ausführt, fährt der Zündstift nach vorne und schlägt auf das Zündelement der Patrone.

Das PK ist ein Gasdrucklader mit langem Weg, das heisst die Gasstange ist permanent mit dem Verschlussträger verbunden. Bei den PK-Modellen ist das Gassystem unter dem Lauf angebracht. Das Gasrohr ist mit einer starken Feder am Gehäuse fixiert und kann zur Reinigung demontiert werden.

Die Gasabnahme ist permanent auf dem Lauf montiert und leitet das Gas in die Gasdüse, welche bei den Infantrieversionen mit einer leeren Patronenhülse verstellt werden kann. Damit wird sichere Funktion auch bei stark verschmutztem Gassystem ermöglicht. Die beiden Panzer-/Fahrzeugversionen haben eine andere Gasdüse nach dem Venturi-Prinzip, um die Rauchgase nicht ins Fahrzeuginnere zu leiten.

Das Verschlussgehäuse des PKM hat einen U-Querschnitt und ist als geprägter Blechteil von 1.5mm Dicke ausgeführt. Die Erfahrungen aus dem Bau des AKM sind hier deutlich sichtbar, so wurden das Verschlussgehäuse in Teile aus zwei übereinander genieteten und punktgeschweissten 1.5mm Stahlblechen verstärkt. Der Auswerfer ist ebenfalls ähnlich dem AKM und im Innern des Verschlussgehäuses angenietet. Das Auswurffenster verfügt über eine gefederte Staubschutzabdeckung. Mit korrekter Gaseinstellung ist der Auswurfzyklus des PK nicht so ruppig, wie der der AK. Hülsen werden ca. 1m nach links ausgeworfen.

Wie bei der AKM ist der Laufaufnahmeblock in des Verschlussgehäuse eingenietet. Der Haltemechanismus für den Lauf wurde vom SG-43 übernommen und ermöglicht einen schnellen Laufwechsel bei entladener Waffe.

Der Lauf ist die einfachste Möglichkeit das PK vom moderneren PKM zu unterscheiden. Das PK verfügt über einen kannelierten, schweren Lauf, während das PKM einen leichteren Lauf ohne Kannelierung aufweist.

Zubringermechanismus

Ein gurtgefüttertes Maschinengewehr, das eine Randpatrone verschiesst, hat einen weitaus komplexeren Zubringermechanismus, als ein Maschinengewehr mit normalen, randlosen Hülsen. Die Patrone muss wegen dem Rand rückwärts aus dem Gurt ausgezogen und ins Patronenlager zugebracht werden. Die 7.62x54R ist die Patrone mit der längsten militärischen Verwendungszeit, somit sind die sowjetischen/russischen Konstrukteure bestens mit dieser Thematik vertraut. Die 7.62x54R findet seit der Zarenzeit ihre Verwendung. So kommen auch beim PK verschiedene Elemente der älteren sowjetischen Maschinengewehre im Zubringermechanismus zum Vorschein.

Der PK Gurtvorschub funktioniert relativ einfach: Der Gurt wird über die Gurtrampe von rechts eingefüttert. Die Gurtrampe ist über dem Verriegelungsblock und die Randpatrone wird mit einem Greifer auf dem Verschlussträger im Rücklauf nach der Zündung nach hinten aus dem Gurt gezogen. Nach etwa 9cm Verschlussrücklauf drückt eine Steuerkurve im Verschlussdeckel die Patrone nach unten aus dem Patronengreifer in eine Führungsbahn. Der Verschluss läuft noch ca. 37mm weiter zurück. Nach Richtungswechsel des Verschlusses, nimmt der Mitnehmer auf dem Verschlusskopf in seiner Vorwärtsbewegung die Patrone mit und schiebt diese wie bei der AK in das Patronenlager. Gleichzeitig treibt der Verschlussträger in seiner Vorwärtsbewegung den Gurt an und bringt eine weitere Patrone in Position, um beim erneuten Rücklauf aus dem Gurt ausgezogen zu werden.

Der Gurtvorschub ist über dem Verriegelungsblock angebracht und hat Ähnlichkeit mit dem des RP-46 und Gorjunow-Konstruktionen. Der Patronengreifer ist ähnlich dem des SG-43 und der Verschlussdeckel gleicht dem des RP-46.

Die PK-Modelle verwenden einen nicht-zerfallenden Metallgurt mit geschlossenen Patronentaschen. Es ist derselbe Gurt, welcher bereits bei den sowjetischen Maxims, dem DS-39, dem RP-46 und SG-43 verwendet wurde. Üblicherweise wird der der Gurt in Längen von 100, 200 oder 250 Patronen ausgeführt. Alle Längen werden in einer entsprechenden Gurtkiste aus Aluminium gehalten. In der Konfiguration als leichtes Maschinengewehr wird der Gurtkasten mit 100 Schuss unter das PK gehängt. In lafettierter Konfiguration werden die grösseren Gurtkisten je nach Lafette an der Lafette eingehängt oder separat auf den Boden gestellt.

Gurte, bei welchen die Patronen rückwärts ausgezogen werden sind für Maschinengewehre mit Randhülsen üblich, aber nicht der einzige Lösungsansatz. Die wohl genialste Konstruktion der damaligen Zeit war die des finnischen Konstrukteurs Aarno Lathi, Bruder des Aimo Lathi (bekannt für die Pistole Lathi 35 und die Suomi-Maschinenpistole). Aarno Lathi entwickelte einen Umbausatz, um aus dem deutschen MG 42 die Sowjetpatrone 7.62x54R verschiessen zu können. Dabei wurde die Randhülse durch den Gurt hindurchgeschoben. Der Umbausatz wurde nie in grossen Mengen gebaut und verbleibt als Kuriosität in der Geschichte.

Visierung

Die PK-Modelle verfügen über verstellbare Korn-/Kimmevisierungen. Nur das PKT verfügt als rohrparalleles Panzermaschinengewehr über gar keine Visierung. Das Korn ist ähnlich dem des AK-Sturmgewehres mit Kornschutzbacken versehen. Die Kimme ist als Tangentenvisierung ausgeführt, in Höhe und Seite verstellbar. Die Visierung ist von 100-1500m skaliert und verfügt wie das AK-Sturmgewehr über eine 400m-Kampfvisier-Einstellung. (Iannamico, 2012) Das Visierbild ist mit dem des AK-Sturmgewehres und des RPK-Maschinengewehres identisch.

Jüngere PKM verfügen über die typisch sowjetische Montageschiene auf der linken Gehäuseseite. Diese dienen zur Aufnahme des 1P29-Zielgerätes oder des 1PN51-Nachtsichtgerätes (Большая военная энциклопедия).

Zweibein und Lafetten

PK und PKM verfügen in ihrer Basisversion über ein integriertes Zweibein, welches am Gasrohr angebracht ist. Das Zweibein ist gefedert und bleibt somit automatisch in Feuerposition. Zusammengeklappt wird es von deinem Federhaken gehalten. Im rechten Bein des Zweibeins ist der dreiteilige Putzstock untergebracht.

Das Maschinengewehr PK wurde ursprünglich im Oktober 1961 (Большая военная энциклопедия ) mit einer Lafette 6T2, konstruiert von Evgeny Samozhenkov eingeführt. Die Samozhenkow Lafette wurde bereits vor dem PK entwickelt. Diese Lafette wiegt 7.7kg und kann leicht von Erdkampf- auf Fliegerabwehrkonfiguration umgebaut werden. Die Lafette 6T2 verfügt über eine Zahnstangenteilung für seitliche Bewegungen und eine Feinverstellung in der Höhe mittels Gewindespindel.

Mit der Einführung des modernisierten PKM wurde 1969 auch eine neue Lafette 6T5 eingeführt. Diese neue Lafette wurde von Leonid Stepanow konstruiert und ist bemerkenswert leichter. Die Stepanow-Lafette wiegt nur noch 4.5kg und fast komplett aus Blechprägeteilen gefertigt. Zur Gewichtsreduzierung wurde auf sämtliche Dämpfungsmechanismen verzichtet, dafür eine Vorrichtung an das rechte Lafettenbein angebracht, bei der die Gurtkiste eingehängt werden kann. Mit der Stepanow-Lafette wurde das Gewichtverhältnis MG:Lafette von vormals 0.86 zu 0.6 reduziert. Neben dem reduzierten Gewicht ist ein weiterer Vorteil dieser Konstruktion, die Möglichkeit die Feuerstellung zu wechseln ohne das Gewehr zu Entladen (Shaydurov, 2010).

Bedienung

Viele Menschen auf dieser Erde können nicht lesen und nicht schreiben, aber sie wissen ganz genau wie mit einem AK-Sturmgewehr umzugehen ist. Ähnlich ist es mit dem PK/PKM.

Um das Gewehr zu laden, muss als erstes sichergestellt werden, dass der Verschluss in seiner hinteren Position gespannt und die Sicherung eingelegt ist. Danach muss einzig der Verschlussdeckel geöffnet, der Gurt eingelegt und der Deckel wieder geschlossen werden. Anschliessend wird das Gewehr entsichert und ist der Verschluss über den Abzug nach vorne gefahren. Dabei greift der Patronengreifer die erste Patrone im Gurt. Eine weitere Ladebewegung spannt den Verschluss und zieht diese Patrone aus dem Gurt. Das Gewehr ist feuerbereit.

Literaturverzeichnis

Iannamico, Frank. 2012. The Grim Reaper. 2. Henderson : Chipotle Publishing, 2012. ISBN 978-0-9823918-5-3.

Shaydurov, Ilya. 2010. Russische Schusswaffen. Stuttgart : Motorbuch Verlag, 2010. ISBN 978-3-613-031187-6.

Volk, Oleg. 2017. THE RUSSIAN PKM 7.62 MACHINE GUN. SMALL ARMS REVIEW. 2017, V21N4.

Большая военная энциклопедия . 7.62 mm Kalashnikov РК / PKS machine gun. firearms russia. [Online] [Zitat vom: 26. 11 2018.] http://gunrf.ru/rg_pulemet_pk_eng.html.

Большая военная энциклопедия. PKM/PKMS Kalashnikov modernized machine gun. firearms russia. [Online] [Zitat vom: 26. 11 2018.] http://gunrf.ru/rg_pulemet_pkm_eng.html.