Innenballistik – Laufschwingungen

Das Geschoss versetzt de Lauf bei seinem Durchgang in Schwingungen. Diese Schwingunen breiten sich in Längsrichtung (longitudial) und Rotationsrichtung (radial) aus. Letztere Schwingungsrichtung ist hauptsächlich durch den Drall bedingt. Diese Schwingungen beeinflussen Treffpunktlage und Trefferbild massgeblich.

Nun stellt sich die Frage ob lange oder kurze Läufe besser schiessen. Die Antwort ist wie so oft: „Es kommt darauf an, was man anstrebt.“

Lange Läufe sind in der Regel zur Gewichtsersparnis schlank gehalten und somit schwingungsfähiger. Je schwingungsfähiger ein Lauf ist, desto empfindlicher reagiert er auf Variationen im innenballistischen Ablauf. Letzlich führt dies zu grösseren Abweichungen im Abgangswinkel und damit zu höherer Streuuung. Auch wenn es sich dabei um Millisekungen handelt, das Geschoss braucht einen Tick länger Zeit um den Lauf zu verlassen und damit steigt die Gefahr der Abkommensänderung. Beim Schiessen mit Ordonannzwaffen verlängert der längere Lauf auch die Visierlinie, was dem Schützen ein genaueres Zielen ermöglicht, was aber nur eine mittelbare Auswirkung des langen Laufes ist. Bei Zielfernrohren spielt die keine Rolle mehr. Ein Vorteil des langen Laufes hingegen ist, dass sich die hinter dem Geschoss wirkenden Gase bei Austritt des Geschosses weitgehend entspannt haben. Weniger Mündungsgasdruck bedeutet weniger Verwirbelung um das Geschoss beim Mündungsaustritt. Natürlich können mit einem längeren Lauf auch höhere Energien mitgegeben werden, was wiederum die Flugbahn im Überschallbereich verlängern kann oder eben auch die Zielballistik beeinflussen kann.

Praxis-Tipp

Kurzer kompakter Lauf oder langer schlanker Lauf ist eine Entscheidung der persönlichen Vorliebe: Kurzer bullig-kompakter Lauf mit erhöhter Eigenpräzision, weil nicht so schwingfreudig oder die Vorteile des langen Laufes anderweitig nutzen.